Ausflug in die Natur

July 15, 2018

Es ist Sonntag. Zeit, um mich von den Strapazen der letzten Woche zu erholen. Mit den vielen neuen Kunden, die wir kürzlich gewonnen haben und den vielen neuen Kurieren, die eingearbeitet und begleitet werden, blieb mir nur wenig Zeit für das Schreiben des Blogs. Doch nun ist Sonntag. Eigentlich der Tag der grossen Ausflüge. Besonders die Städter flüchten gerne aufs Land – ab ins Grüne heisst die Devise. Genug von Asphalt, Lärm und Gestank. Doch Natur ist auf dem Land weniger vorhanden, als man zunächst meinen könnte. Mais- und Weizenfelder sind jedenfalls mehr Industriestandorte als Natur. Wer an Land denkt, hat wohl eher die Bilder einer Idylle im Kopf, die in unserer Gegend kaum noch existiert. Wer beispielsweise mal durch das zentralfranzösische Limousin mit dem Fahrrad gefahren ist, weiss wie Artenvielfalt auf dem Land aussehen könnte. Nur mit viel Glück schaffte ich es, dort keinen Schmetterling zu überfahren.

 

Während auf dem Land die Artenarmut weiterhin zunimmt, sieht es ausgerechnet in der Stadt zuweilen besser aus. Und da es mir an diesem sonnigen Sonntag nicht gross nach Radfahren ist, aber dennoch nach Natur, besuche ich ein paar Orte, an denen ich üblicherweise nur vorbei flitze. Es gibt nämlich in der Stadt ein paar ausserordentlich schöne Farbtupfer: die Blumenarrangements an der Seestrasse oder liebevoll gestaltete Gärten, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. Aber da ich es durchaus auch gerne etwas wilder habe, sind für mich die wahren Perlen dort, wo die Ästhetik eine untergeordnete Rolle spielt. Dieser an der Ecke Bismarcksteig/Gottfried-Keller-Strasse entstehende Biogarten ist für mich ein schöner Beweis, dass es die Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner selbst in der Hand haben, für mehr Farbe und Leben in der Stadt zu sorgen. Nebst Gemüseanbau verfügt dieser kleiner Fleck auch über ein Wildbienenhotel und eine vielseitige Wildblumenwiese.

 

Besonders spannend sind sogenannte Ruderalflächen. Das sind meist steinige oder felsige Flächen, die noch nicht bewachsen sind und über wenig Nährstoffe verfügen. Diese entstehen im urbanen Gebiet oft bei Umbauten und Strassensanierungen. Pflanzen, die auf Ruderalflächen gedeihen, sind dafür besonders angepasst und deshalb bei uns selten. Dafür sind diese sogenannten Pionierpflanzen oft schön anzusehen und bei allem was kreucht und fleucht beliebt. Darunter gehört auch viel Alpenflora. Hier ein schönes Beispiel an der Ecke Von-Emmich-Strasse/Petershauser Strasse – wobei ich vermute, dass hier von Menschenhand etwas nachgeholfen wurde.

Was das alles für Arten sind kann ich beim besten Willen nicht sagen. Von der Botanik und Pflanzenbestimmung habe ich nur wenig Ahnung. Sollte man aber. Nicht umsonst sagen die Schweizer „Kei Ahnig vo de Botanik!“ wenn man von einer Sache nichts weiss – aber vielleicht auch nur, weil es sich schön reimt und Botanik doch recht kompliziert ist. Aber spannend! Viele Pflanzen wachsen dort, wo der Mensch – sei es aus Faulheit,  weil sich niemand zuständig fühlt – seine Finger nicht im Spiel hat. Das trifft vor allem auf eher unwirtliche Orte zu, entlang den Bahngeleisen zum Beispiel – auch wenn vielerorts die Neophyten Goldrute und das drüsige Springkraut die einheimischen Pflanzenarten verdrängt haben. Doch manche dieser „Eindringlinge“ sind schön, wie dieser Flieder, für Schmetterlinge eine beliebte Nahrungsquelle. Zudem beachte man auch die vielen Stauden auf der gegenüberliegenden Seite – Brombeerbüsche und Brennnesseln, einzige Nahrungsquelle der Raupen des  Tagpfauenauges.

Es gibt auch durchaus nützliche Pflanzen am Wegrand. Die geröstete Wurzel der gewöhnlichen Wegwarte dient seit dem 18. Jahrhundert als Kaffeeersatz. Der Chicoree ist eine Varietät der Wegwarte und ist als Salat natürlich bekannt. An der Ecke Oberlohn Strasse/Max-Strohmeyer-Strasse wächst eine ganze Menge davon. Die Bienen tun sich daran gütlich, während die Lastwagen vorbei donnern und die schönen Blüten leider etwas in Mitleidenschaft ziehen.

Leider ist die Natur ohnehin vergänglich, die Freuden verwelken früher oder später. Doch insgesamt gibt es in der Stadt sehr viel zu entdecken – direkt vor unserer Haustüre! Der Natur wegen müsste man jedenfalls nicht aus der Stadt flüchten. Doch da bleiben noch der Lärm und der Gestank. Aber auch da gibt es eine gute Lösung: Mehr Fahrrad, weniger Auto. Ich für meinen Teil leiste meinen Beitrag dazu.

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