Am Puls der Stadt

March 18, 2018

Es ist Sonntagmorgen, als ich mich dazu hinsetze, meine Eindrücke der letzten Woche nieder zu schreiben. Das Thema ist der Frühling mit all seinen Begleiterscheinungen. Und dann schaue ich aus dem Fenster und sehe das hier:

So war das nicht gedacht. Nun gut, der Frühling ist Mitte März noch ein zartes und zerbrechliches Geschöpf. Meteorologisch hat der Frühling zwar schon seit über zwei Wochen offiziell Einzug gehalten, kalendarisch dauert es noch ein paar Tage. Doch die ersten Bienen sind schon unterwegs, um die Blüten der Schneeglöcklein, Krokusse und Narzissen zu besuchen und sich zu ernähren. Denn im Gegensatz zum Bild, das sich jetzt gerade präsentiert, war es letzte Woche tatsächlich recht warm und sonnig. Schade, hatte ich keine Aufträge, die mich an die Insel Mainau brachten. Doch zum Glück gibt es in der ganzen Stadt Farbtupfer, wie hier am Grenzbach:

Dabei erwachten nicht nur die Bienen und Frühblüher, sondern auch die Stadt. Plötzlich sind viel mehr Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs. Das schlägt sich auch auf meine Arbeit nieder, sowohl positiv wie auch negativ. Letzteres, weil nun weniger Platz auf den teilweise sehr engen Radwegen vorhanden ist. So muss ich mich immer wieder hinter langsameren Radfahrenden einreihen. Das ist nicht weiter schlimm und ich übe mich in Geduld, ohne kribbelig zu werden. Schliesslich sind ja alle in Bewegung und ob ich meine Ziele zehn Sekunden früher oder später erreiche, ist nicht matchentscheidend. Dafür gestaltet sich das Fahren selbst natürlich angenehmer, wenn ich ohne schwere Skihosen und ohne Handschuhe unterwegs sein kann. Und das macht gute Laune, welche ich nun mit anderen teilen kann. Positiv ist nämlich, dass die Leute draussen viel besser drauf sind, als noch vor wenigen Wochen. Bin ich mit dem auffälligen Lastenrad unterwegs, erheben sich die Blicke der entgegenkommenden Radfahrer dank des warmen Wetters über die Lenkstange. Statt angestrengtem Stirnrunzeln gibt es nun ein entspanntes Lächeln. Auch die Fussgängerinnen und Fussgänger verhalten sich anders und haben nun mehr Lust, die Umgebung beim Gehen anzuschauen. Kinder rufen nun „schau Mal das Rad an!“; mir wird viel öfters ein Grusswort erteilt und zugewinkt. So macht das Radfahren viel mehr Spass. Halte ich an, ist nun schneller jemand zur Stelle, der über den Kurierdienst alles wissen will. Zeit habe ich nicht immer, um alle Fragen zu beantworten, doch es reicht alleweil, um einen Flyer in die Hand zu drücken. Doch auch mir entgeht viel weniger. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Im Seerhein ist die Polizei am Tauchen, das Wasser muss wohl (noch) bitterkalt sein, doch auch die Gesetzeshüter machen wohl lieber jetzt Übungen als noch im Februar, als die strenge Bise die Temperaturen in den Keller fallen liess.

Konstanz empfinde ich auch im Winter als lebendige Stadt, doch nun bricht die Zeit an, wo das Leben am Bodensee zu vibrieren beginnt. Als Radkurier spürt man diese Veränderungen viel intensiver, als wenn man einfach einen gewöhnlichen Arbeitsweg hat, selbst wenn man diesen auch den Winter durch mit dem Fahrrad macht. Man ist förmlich am Puls der Stadt. Der erste Winter als Radkurier ist fast vorbei und bald ist Sommer. Da wird das Leben in der Stadt sich erneut verändern. Ich bin gespannt, wie ich das erleben werde.

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