Jungfernfahrt dank Euroboxen

November 26, 2017

Es ist schon dunkel, als wir bei Fahrradspezialitäten an der Schulthaißstraße vorbei schauen. Dort dürfen wir endlich unser neues Lastenrad, ein weisses Bullitt mit Tretunterstützung, in Empfang nehmen. Die Vorfreude ist riesig. Doch im Laden ist davon weit und breit nichts zu sehen. Johannes der Verkäufer (nicht der Täufer) meint, wir seien umsonst gekommen, das Rad sei schon weg. Dabei steht es vor dem Seiteneingang. Weil der XXL-Anhänger von Hinterher auch schon dran ist, hat es  im Laden kein Platz mehr. Verständlich, das Gespann ist länger als ein Mittelklassewagen. Milan, der andere Verkäufer, hat am Anhänger nicht nur ein starkes Rücklicht montiert, sondern auch einen Schutz aus Metall extra angefertigt, damit die Leuchte nicht so schnell abgerissen wird. Alles funktioniert und ist perfekt eingestellt. Wir machen ein paar Fotos, leider sind die Lichtverhältnisse ziemlich schlecht. Dabei hätten wir schon gerne die offizielle Übergabe dokumentiert. Wir vertagen das auf ein paar Tage später. Das gute dabei: bis dahin wird die schöne Aluminiumboxe mit dem Firmenlogo beschriftet sein. Der Termin bei Werbe Greis ist schon gefixt.

 

 

Mit dem Anhänger könnten wir auch so schon sperrige Sachen transportieren, Skis zum Beispiel, oder einen Weihnachtsbaum, 5 Fahrräder oder eine Europalette. Doch für den Fall, dass wir mehr Kleinpakete mitnehmen sollen, als in die Alubox passen, wären die Sendungen ungesichert und dem Wetter ausgesetzt. Also müssen Eurobehälter her und zwar mit den Massen 60x40x40 - weil da genau zwei nebeneinander auf dem Anhänger passen oder insgesamt sechs auf der ganzen Ladefläche, oder sogar 12 oder 18, wenn man sie stapelt. Bloss gibt’s die im Moment in ganz Konstanz nirgends. Wir versuchen sie online zu bestellen, doch überall heisst es, es gäbe zurzeit einen Lieferengpass. Im Bauhaus in Singen gibt es gerade noch zwei Stück. Die müssen wir haben. Doch sie senden die uns nicht nach Konstanz. Also muss ich nach Singen. Statt mich darüber zu ärgern, freue ich mich über eine längere Fahrt. Eine gute Gelegenheit, das neue Gefährt auf Herz und Nieren zu testen. Ich bin hochmotiviert, bis ich am nächsten Morgen aufstehe und feststellen muss, dass es ziemlich heftig regnet, der Wind stark bläst und das Thermometer ganze 4 Grad anzeigt. Igitt.

 

Nachdem ich mich wetterfest angezogen habe, geht es los. Mit wenigen Handgriffen mache ich das Rad samt Anhänger bereit und kurve damit schon durchs Paradies, über die Schänzlebrücke und raus zum Radweg in Richtung Reichenau. Trotz Tretunterstützung wärme ich schon bald auf und der Elektromotor macht aus dem fiesen Gegner namens Gegenwind einen Sparringpartner. Mein Systemgewicht ist mehr, als wenn ich vollbepackt auf Radreise bin und trotzdem liegt mein Schnitt in etwa 5km/h höher, als ich es mir sonst bei ähnlichen Wetterverhältnissen gewohnt bin. Ich staune, wie leicht sich das Fahren lässt und wie flott ich vorankomme. Zwischendurch schalte ich gar den Motor aus, um Akku zu sparen. Ich bin gespannt, ob die Reichweite genügt. Noch zeigt die Anzeige 115km, das sollte gut reichen.

 

Gespannt bin ich auch auf die Reaktionen anderer Radfahrer oder Passanten, die mich beim vorbeiflitzen sehen. Schliesslich ist das Gespann schon eine aussergewöhnliche Erscheinung. Doch dem Wetter entsprechend ist der Radweg entlang des Untersees nach Radolfzell leergefegt. Dennoch sorge ich für Aufsehen, denn in Singen mache ich einen ersten Halt, um mir einen Imbiss bei EDEKA zu besorgen. Als ich zurückkehre, steht schon eine ganze Ansammlung neugieriger Zuschauer um das Rad herum. Die drängendste Frage: Was ich mit diesem Gefährt alles transportieren kann? Ich ernte bewundernde Blicke und finde es schön, dass ich bei einigen mit dem gängigen Vorurteil, dass man mit dem Rad durchaus mehr laden kann, als in ein gewöhnliches Auto passt, aufräumen kann. Beim Bauhaus ein ähnliches Bild. Euroboxen geladen, es geht wieder zurück. Der Regen hat aufgehört, der Wind bläst von hinten. Meine letzte Radtour liegt jedoch drei Monate zurück. Gegen Schluss werden meine Beine ganz müde und ich vermisse meinen eingesessenen Brooks Sattel. Als ich in Konstanz zurückkomme, zeigt der Tacho 63,5km bei einem Schnitt von 19,2km/h an. Der Akku hat noch 20% Reserve. Der Bullitt hat seine erste Fahrt mit Bravour gemeistert. Aber für die offizielle Übergabe brauche ich nun einen Putzlappen.

 

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